Der Europäische Gerichtshof hat einen Fall vorliegen, in dem es zu entscheiden gilt, ob Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer nach ihrer Religion auswählen dürfen. Das Bundesverfassungsgericht vertritt hierbei die Auffassung, dass diese Differenzierung aufgrund des verfassungsrechtlich geschützten Selbstbestimmungsrechts der Kirchengemeinschaften nicht zu beanstanden ist. Auch § 9 Abs. 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes lässt eine solche Differenzierung unter bestimmten Voraussetzungen für kirchliche Arbeitgeber ausnahmsweise zu, sodass diese nicht im Widerspruch zum allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz steht.

Die Frage, ob dies europarechtskonform ist, soll nun durch die Vorlage des Bundesarbeitsgerichts an den Europäischen Gerichtshof geklärt werden. Laut Generalanwalt Tanchev müsse in jedem Einzelfall zwischen dem Recht der Kirchen auf Selbstbestimmung auf der einen Seite und dem Recht auf Nichtdiskriminierung wegen der Religion auf der anderen Seite abgewogen werden. Diese Abwägung solle gerichtlich voll überprüfbar sein.

Es bleibt abzuwarten, ob sich der Europäische Gerichtshof der Ansicht des Generalanwalts anschließt. In diesem Fall würde die Entscheidung zu einem Paradigmenwechsel im kirchlichen Arbeitsrecht führen.