Geschichte der Mediation

Die Anfänge der Mediation reichen bis in die Antike zurück. Auch in den darauf folgenden verschiedenen geschichtlichen Epochen fanden sich immer wieder Elemente von Mediation bzw. Vermittlung.
Gemeinsamer Ausgangspunkt dabei war immer die Annahme, dass das Recht bzw. autoritäre Entscheidungsformen ausreichende Spielräume für verhandelte Lösungen bietet und ein oder mehrere Dritte die Erarbei-tung solch einer Lösung begleiten.
Dabei waren und sind die Anwendungsfelder von Mediation äußert breit gefächert - von Streitigkeiten unter Privaten bis hin zum Völkerrecht.
Auch findet man in nahezu jedem Kulturkreis "mediative Ansätze". So bezeichnet zum Beispiel das Wort "Palaver" in der afrikanischen Stam-meskultur eine soziale Einrichtung des Verhandelns mit einer Zeitstruk-tur, die mit dem Phasenverlauf der Mediation durchaus zu vergleichen ist.
Dennoch ist auch Vorsicht geboten: Nicht alles, was heute gerne unter dem "Label Mediation verkauft wird", entspricht der Mediation im eigent-lichen Sinne.
Die Abgrenzung ist jedoch - wie sich im weiteren Verlauf noch zeigen wird - nicht immer einfach und auch in der Fachwelt äußerst umstritten.
Schon aus dem antiken Griechenland sind vermittelnde, ausgleichende Tätigkeiten bekannt. Allerdings ist eine klare Grenzziehung zwischen Vermitteln und Richten im Rückblick nicht immer möglich. Im Wesentli-chen ging es darum, durch Versöhnung und Ausgleich widerstreitender Interessen Frieden zwischen den Parteien zu stiften. Die Mittler waren meist angesehene Persönlichkeiten, deren anerkannte Autorität einer richterlichen Stellung wohl sehr nahe kam, wie z.B. in frühgriechischer Zeit der Athener Solon (ca. 649-560 v.Chr.). Dieser wurde für das Amts-jahr 594 bis 593 zum "Archon, Versöhner und Vermittler" gewählt, wobei ihm auch die Rolle des Gesetzgebers zugefallen sein dürfte. Überliefert sind vor allem Vermittlungen in gesellschaftlichen und politischen Ausei-nandersetzungen.
Hilfreich für das heutige Verständnis von Mediation ist auch ein Rückgriff auf die Ideen der griechischen Philosophen von Sokrates (469-399 v.Chr.), über Platon (427-347 v.Chr.) bis hin zur Gerechtigkeitslehre von Aristoteles (384-322 v.Chr.).

Insbesondere im Völkerrecht und der Verständigung zwischen verfein-deten Staaten wurde nicht selten von Vermittlung oder Mediation ge-sprochen. Diese oblag grundsätzlich einem Staat, der nicht am Konflikt beteiligt war.
So gab es erste Ansätze einer solchen Vermittlung bereits während des Dreißigjährigen Krieges. In der lateinischen Einleitung zum Vertrag des Westfälischen Friedens (Münster, 24. Oktober 1648) wird im Zusam-menhang mit dem italienischen Gesandten Alvise Contarini (1601-1684) von der Tätigkeit als "Mediator" gesprochen.

Wie sehr die damalige Mediation auch noch mit unserem heutigen Me-diationsverständnis übereinstimmt, verdeutlicht folgender Auszug aus den Ginetti Instruktionen (neben Contarini als Mediator bestellt) zum Kongress von Köln im Jahre 1628 (von Abraham de Winquefort, L´Ambassadeur, Sektion XI. "Über Mediation", Cologne 1682, übersetzt aus dem Französischen von Josef Duss-von Werdt):

 
 
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